Abbruchbeziehung

In unserem Hausstand gibt es das eine oder andere zu tun, und ich wollte jüngst ein Ständerwerk errichten, innen dämmen, von außen mit Gipsplatten verkleiden und ein Glasschiebelement einsetzen. „Du kannst die Kacheln in der Küche abschlagen“, sagte Judith und entzog mir die Ständerwerk-Errichtungs-Aufgabe. Ich habe daraus geschlossen, dass sie mir mehr die Abbrucharbeiten, als die Aufbauarbeiten des Lebens zutraut und versuche seither damit klarzukommen.

Als küchenphilosophisch und leider auch etwas romantisch veranlagter Mensch weiß ich natürlich um das Ende, was immer auch ein Anfang ist. Ich weiß auch, dass am Ende immer alles gut wird. Aber ich kenne genauso die Situation, wo ich erst ganz am Anfang vom Ende stehe, bei der ersten Kachel sozusagen. Und ich weiß, dass alle diese weisen Einsichten immer dann nichts nutzen, wenn sich unsereiner mittendrin wähnt und das Feuer in einem brennt, die Säfte kochen und der Kessel scheppert. Dann willst Du vorwärtsstürmen, Ständerwerke errichten, willst das große Rad drehen.

So eines wie jetzt im Alpenvorland gefunden wurde, aus Ahornholz und massiv war es eines von vieren, auf denen sich ein Wagen stützte. Die Erfindung der einrädrigen Schubkarre geht dagegen zweifelsfrei auf einen Chinesen zurück. Er hat durch Weglassen von drei Rädern eine höhere Wendigkeit des Ganzen erzeugt. Das Motto „Weniger ist mehr“ war entdeckt, dem die Chinesen immer noch anhängen: Die Sachen kosten weniger, sind ein bisschen wackelig und du brauchst mehr davon.

„Ein bisschen besser ist, Du würdest jetzt mal anfangen mit den Kacheln“, flüstert Judith liebevoll, setzt den Kessel Kaffeewasser auf, reicht mir einen Saft. Ich hole die Schubkarre aus dem Keller und weiß an diesem Tag, dass Frauen und Chinesen es schaffen, einem das Leben zu verändern.