Was wir aus der Tierwelt lernen können – und was nicht
Der Pavian wendet uns seinen leuchtenden Hintern zu. „Die Männer haben oft das schönere Hinterteil“, erkläre ich Judith. Wir machen eine Tour durchs östliche Afrika und ich erläutere meiner Frau die Tierwelt am Fuße des Kilimandscharo. Das Paviankonzept lautet: Klare Kommunikation läuft per Hinterteil. Wenn es besonders rot leuchtet, stehst Du vor dem Chef. Judith rät davon ab, das Konzept eins zu eins auf unsere Familie zu übertragen. Es gebe andere Insignien von natürlichem Charisma, meint sie und ich ziehe eine Augenbraue hoch, was ich manchmal auch vor dem Spiegel übe, wenn ich mich ausgehfein mache.
Die Tierwelt hierzulande ist vielfältig. Ich sehe Giraffen und Büffel, Warzenschweine und Zebras, Affen und Antilopen von der Terrasse unserer Lodge, die „Hatari“ heißt und von der die Alten noch wissen, dass sie mal Schauplatz eines Abenteuerfilms gewesen ist. Die Tiere hier sind offenbar alles Vegetarier, jedenfalls tun sie sich nichts, und selbst am Wasserloch geht es gesittet zu: Das Warzenschwein wartet, bis der Büffel sich gesuhlt hat. Wenn ich an Judiths Morgentoilette denke, wünschte ich mir auch manchmal, nicht immer das Warzenschein zu sein. Die Zebras hängen als ganze Familie ab. Mehr als zu grasen, kriegen sie an diesem Tag und all den anderen nicht auf die Kette. Es sieht so aus, als hätten sie dauernd Wochenende.
Die Giraffen bewegen sich in Slow Motion, es sind schlaksige Gestalten, die sogar stundenlang im Stehen schlafen können. Uns wird klar, dass die Halbstarken unter unseren Kindern, die wir auf unserem kurzen Ausflug an den Fuß des Kilimandscharo zu Hause gelassen haben, etwas giraffenartiges an sich haben. „Es braucht ein Dorf, um ein Kind aufzuziehen“, zitiert meine Frau eine afrikanische Weisheit. Wir müssen sehen, wohin das führt, denke ich, während meine unbehosten Beine von lästigen Insekten umschwirrt werden. „Ich hätte jetzt gern auch so ein Schwänzchen wie die Antilopen, um die Fliegen zu verjagen“, sage ich Judith und sie schenkt mir ein Lächeln, das gleich wieder hinter ihrem Buch verschwindet.
Okay, etwas geistvolleres kann sie von mir erwarten: „Mosadi o tshwara thipa ka bogaleng“, ist ein respektvoller Satz aus der Sprache der Sotho, den ich ihr jetzt beiläufig serviere. Sie schaut fragend. „Eine Frau hält das Messer am scharfen Ende“, übersetze ich frei. Jetzt ist sie wirklich beeindruckt. So eine Safari macht jede Beziehung gleich ein bisschen besser, denke ich und spüre, wie Judith mir verstohlen den Po tätschelt. Ich laufe rot an, allerdings im Gesicht, weil ich kein Pavian bin, wie ich jetzt sicher weiß. „Das östliche Afrika ist wirklich eine Erfahrung wert“, werden wir den Daheimgebliebenen später berichten.